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Wie berechnet man den BMI bei Kindern?

Den BMI bei Kindern berechnet man grundsätzlich mit derselben Formel wie bei Erwachsenen: Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat. Der entscheidende Unterschied ist aber die Auswertung: Bei Kindern und Jugendlichen reicht die reine BMI-Zahl nicht aus, sondern sie muss immer alters- und geschlechtsspezifisch eingeordnet werden. Deshalb ist der BMI bei Kindern eine Orientierungshilfe und keine Diagnose.

Wenn Sie den Wert schnell prüfen möchten, können Sie den BMI-Rechner für Kinder und Jugendliche nutzen. Er ist für Kinder und Jugendliche von 1 bis 18 Jahren gedacht. Für Erwachsene ab 18 Jahren ist dagegen der BMI-Rechner für Erwachsene geeignet. Die Unterscheidung ist wichtig, weil Kinder noch wachsen und deshalb anders bewertet werden als Erwachsene.

Die Formel: So berechnet man den BMI bei Kindern

Die eigentliche Rechnung ist einfach:

BMI = Körpergewicht in Kilogramm / (Körpergröße in Metern × Körpergröße in Metern)

Sie brauchen also nur zwei Angaben:

  • das Gewicht des Kindes in Kilogramm
  • die Körpergröße des Kindes in Metern

Mathematisch unterscheidet sich diese Formel nicht von der BMI-Berechnung bei Erwachsenen. Was bei Kindern anders ist, kommt erst nach der Rechnung: Das Ergebnis wird nicht mit festen Erwachsenen-Grenzwerten verglichen, sondern mit Werten für Kinder gleichen Alters und Geschlechts.

Schritt für Schritt erklärt

So können Sie den BMI eines Kindes berechnen:

  1. Wiegen Sie das Kind möglichst ohne Schuhe und in leichter Kleidung.
  2. Messen Sie die Körpergröße ohne Schuhe und möglichst aufrecht stehend.
  3. Schreiben Sie die Größe in Metern auf, zum Beispiel 1,40.
  4. Multiplizieren Sie die Größe mit sich selbst.
  5. Teilen Sie das Gewicht durch dieses Ergebnis.

Beispiel

Ein Kind wiegt 35 Kilogramm und ist 1,40 Meter groß.

  1. 1,40 × 1,40 = 1,96
  2. 35 ÷ 1,96 = 17,9

Der berechnete BMI beträgt also 17,9. Bei einem Erwachsenen ließe sich dieser Wert sofort grob einordnen. Bei einem Kind geht das so nicht, weil dafür das genaue Alter und das Geschlecht mitberücksichtigt werden müssen. Ein BMI von 17,9 kann je nach Alter und Geschlecht unauffällig sein oder anders bewertet werden.

Warum reicht die BMI-Zahl bei Kindern nicht aus?

Kinder und Jugendliche wachsen. Körpergröße, Gewicht, Körperzusammensetzung und Entwicklung verändern sich mit dem Alter. Außerdem verlaufen Wachstum und Entwicklung bei Jungen und Mädchen nicht völlig gleich. Deshalb wird der BMI bei Kindern als BMI-für-das-Alter beurteilt, oft mithilfe von Perzentilen oder Zentilen. Dabei wird geschaut, wie der BMI eines Kindes im Vergleich zu anderen Kindern gleichen Alters und Geschlechts einzuordnen ist.

Genau deshalb darf man bei Kindern nicht einfach dieselben Grenzwerte wie bei Erwachsenen verwenden. Ein Erwachsenen-BMI-Rechner wäre hier irreführend. Wenn Sie sich allgemein für die Grundlagen interessieren, sind auch Was ist der BMI und wie wird er berechnet? und Was sagt der BMI aus? hilfreiche Ergänzungen.

Welche Angaben braucht man zusätzlich?

Für die reine BMI-Rechnung reichen Gewicht und Größe. Für die richtige Einordnung bei Kindern brauchen Sie aber mehr:

  • das genaue Alter oder Geburtsdatum
  • das Geschlecht
  • Größe und Gewicht
  • möglichst das Datum der Messung

Der NHS-Kinderrechner fragt zum Beispiel Geburtsdatum, Geschlecht bei Geburt, Größe, Gewicht und den Zeitpunkt der Messung ab. Die CDC weist ebenfalls darauf hin, dass bei Kindern und Jugendlichen Alter, Geschlecht, Größe und Gewicht für die Einordnung benötigt werden.

Wie wird das Ergebnis bei Kindern eingeordnet?

Bei Kindern und Jugendlichen wird der BMI üblicherweise nicht mit festen Zahlen wie 18,5 oder 25 verglichen. Stattdessen wird er in Beziehung zu Referenzwerten für Alter und Geschlecht gesetzt. Gesundheitsdienste sprechen deshalb oft von BMI-Perzentilen oder BMI-Zentilen. Das Ergebnis zeigt also nicht nur eine Zahl, sondern auch, wo das Kind im Vergleich zu Gleichaltrigen liegt.

Die CDC beschreibt Kategorien für Kinder und Jugendliche anhand von Perzentilen. Die WHO verwendet bei Kindern und Jugendlichen BMI-für-das-Alter sowie altersbezogene Wachstumsreferenzen. Für Kinder von 5 bis 19 Jahren nennt die WHO beispielsweise Übergewicht bei mehr als +1 Standardabweichung und Adipositas bei mehr als +2 Standardabweichungen.

Wie misst man Größe und Gewicht möglichst richtig?

Damit die Berechnung sinnvoll ist, sollten Größe und Gewicht möglichst genau gemessen werden. Schon kleine Messfehler können die Einordnung verschieben, besonders wenn ein Kind nahe an einer Grenze liegt.

  • Messen Sie die Größe ohne Schuhe.
  • Achten Sie auf eine aufrechte Haltung.
  • Wiegen Sie möglichst ohne Schuhe und in leichter Kleidung.
  • Notieren Sie möglichst auch das Messdatum.

Wenn Sie unsicher sind, helfen auch Wie messe ich meinen BMI? und Wie misst man den BMI richtig?. Die CDC betont ebenfalls, dass korrekte Messungen von Größe und Gewicht wichtig für eine zuverlässige Berechnung sind.

Ab welchem Alter ist BMI bei Kindern sinnvoll?

Hier ist etwas Vorsicht wichtig. Offizielle Rechner unterscheiden sich nach Alter. Die CDC beschreibt ihren Kinder- und Jugend-BMI-Rechner für 2 bis 19 Jahre, der NHS-Kinderrechner für 2 bis 17 Jahre. Für sehr junge Kinder unter 2 Jahren wird die Einordnung meist nicht mit dem normalen Kinder-BMI-Rechner vorgenommen, sondern im Rahmen pädiatrischer Wachstumskurven und ärztlicher Beurteilung.

Wenn Ihr Kind sehr jung ist oder Sie sich bei der Einordnung unsicher fühlen, ist eine kinderärztliche Einschätzung sinnvoll. Das gilt besonders dann, wenn Wachstum, Gewicht oder Entwicklung Sorgen bereiten.

Was der BMI bei Kindern nicht leisten kann

Auch bei Kindern ist der BMI nur ein Hilfswert. Er misst nicht direkt den Körperfettanteil. Er sagt auch nichts darüber aus, wie fit ein Kind ist, wie die Ernährung aussieht oder ob andere medizinische Ursachen eine Rolle spielen. Selbst der NHS weist darauf hin, dass der Kinder-BMI-Rechner nicht zwischen Muskelmasse und Fettmasse unterscheidet und keine Diagnose stellt.

Besonders sportliche Kinder, Kinder in Wachstumsschüben oder Kinder mit bestimmten Erkrankungen können deshalb Werte haben, die genauer eingeordnet werden müssen. Der BMI ist also hilfreich als erster Hinweis, aber nicht als endgültiges Urteil.

Wann sollten Eltern ärztlichen Rat suchen?

Eine medizinische Einschätzung ist sinnvoll, wenn der BMI Ihres Kindes deutlich auffällig ist oder wenn zusätzliche Fragen bestehen. Das gilt zum Beispiel bei:

  • rascher Gewichtszunahme oder deutlichem Gewichtsverlust
  • Auffälligkeiten beim Wachstum
  • Essproblemen oder stark eingeschränkter Nahrungsaufnahme
  • Erschöpfung, Atemnot oder anderen Beschwerden
  • großer Unsicherheit bei der Einordnung

Der NHS rät ausdrücklich dazu, bei Sorgen über Gewicht oder Wachstum die Hausarztpraxis, Schulgesundheitspflege oder Kinderheilkunde einzubeziehen. Die WHO empfiehlt bei auffälligem Gewicht ebenfalls eine fachliche Beurteilung und passende Unterstützung.

Fazit

Den BMI bei Kindern berechnet man mit derselben Formel wie bei Erwachsenen: Gewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergröße in Metern zum Quadrat. Die eigentliche Herausforderung ist aber nicht die Rechnung, sondern die richtige Interpretation. Bei Kindern und Jugendlichen müssen immer Alter und Geschlecht berücksichtigt werden. Am sinnvollsten ist der BMI deshalb als erste Orientierung, idealerweise mit einem speziellen BMI-Rechner für Kinder und Jugendliche und bei Bedarf mit kinderärztlicher Einordnung.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung.

Weiterführende Artikel

Diese Beiträge helfen Ihnen, die BMI-Berechnung und ihre Einordnung noch besser zu verstehen:

Quellen und medizinische Referenzen

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Medizinisch geprüft von Dr. med. Paul Kretz
Facharzt für Innere Medizin

Dr. med. Paul Kretz ist Facharzt für Innere Medizin mit langjähriger Erfahrung in der Betreuung von Patientinnen und Patienten mit Übergewicht, Adipositas, Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen und weiteren Stoffwechselstörungen. Als diabetologisch qualifizierter Hausarzt beschäftigt er sich seit vielen Jahren mit gesundheitlichen Themen rund um Gewicht, Stoffwechsel und internistische Risikofaktoren.
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