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Welcher BMI, welche Kleidergröße?

Es gibt keine verlässliche feste Zuordnung nach dem Muster „BMI 22 = Kleidergröße 38“ oder „BMI 27 = Größe 42“. Der BMI sagt nur etwas über das Verhältnis von Körpergewicht zu Körpergröße aus, aber nicht darüber, wie Ihr Körper gebaut ist, wo Fett sitzt oder welche Maße Sie an Brust, Taille und Hüfte haben. Für Kleidung sind deshalb Körpermaße und Größentabellen deutlich wichtiger als der BMI.

Wenn Sie Ihren BMI für Erwachsene trotzdem grob einordnen möchten, können Sie den BMI-Rechner für Erwachsene nutzen. Er ist für erwachsene Frauen und Männer ab 18 Jahren geeignet. Für Kinder und Jugendliche von 1 bis 18 Jahren ist der BMI-Rechner für Kinder und Jugendliche gedacht, weil der BMI dort alters- und geschlechtsspezifisch bewertet werden muss und Kleidung zusätzlich oft alters- oder körpergrößenbezogen ausgezeichnet ist.

Warum gibt es keine feste BMI-Kleidergrößen-Tabelle?

Der wichtigste Grund ist einfach: Kleidergrößen orientieren sich an Körpermaßen, nicht am BMI. Bei Kleidung sind in der Praxis vor allem Maße wie Brust, Taille, Hüfte, Schrittlänge, Schulterbreite und Körpergröße entscheidend. Der BMI kennt diese Maße nicht. Er kann deshalb nicht zuverlässig vorhersagen, welche Konfektionsgröße Ihnen passt.

Selbst wenn zwei Menschen denselben BMI haben, können sie völlig unterschiedliche Kleidergrößen tragen. Eine große Frau mit langen Beinen und schmaler Taille kann bei BMI 25 eine andere Größe brauchen als eine kleinere Frau mit gleichem BMI und anderer Fettverteilung. Dasselbe gilt für Männer, etwa bei Brustweite, Schulterbreite und Bauchumfang.

Welche Faktoren beeinflussen die Kleidergröße stärker als der BMI?

Faktor Warum er für Kleidung wichtig ist
Brust-, Taillen- und Hüftmaß Diese Maße bestimmen bei vielen Kleidungsstücken direkt die Größe.
Körpergröße Sie beeinflusst Länge, Proportionen und den Sitz von Oberteilen, Hosen und Kleidern.
Körperform Zwei Menschen mit gleichem Gewicht können sehr unterschiedliche Proportionen haben.
Muskelmasse Mehr Muskulatur kann Umfang und Passform verändern, ohne dass der BMI das sinnvoll abbildet.
Marke und Schnitt Größen fallen je nach Hersteller, Land und Stil oft unterschiedlich aus.

Genau deshalb kann der BMI in diesem Zusammenhang schnell in die Irre führen. Wenn Sie diese Grenzen besser verstehen möchten, lesen Sie auch Wie aussagekräftig ist der BMI? und Warum ist der BMI nicht aussagekräftig?.

Der BMI sagt nichts über Ihre Proportionen aus

Der BMI berechnet sich aus Gewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergröße in Metern zum Quadrat. Das ist nützlich, wenn Sie grob einordnen möchten, ob Ihr Gewicht im Verhältnis zur Größe eher im Normalbereich liegt. Aber der BMI sagt nichts darüber aus, wo Ihr Gewicht sitzt und wie Ihr Körper proportioniert ist.

Für Kleidung ist genau das aber entscheidend. Ein Kleid, Blazer oder Hemd sitzt nicht nach BMI, sondern nach Umfang und Form. Eine Hose richtet sich nicht nach BMI, sondern vor allem nach Taille, Hüfte, Gesäß, Beinlänge und Schnitt. Deshalb kann derselbe BMI bei ähnlicher Körpergröße trotzdem zu ganz unterschiedlichen Kleidergrößen führen.

Gleicher BMI, unterschiedliche Kleidergröße: Warum?

Hier ein vereinfachtes Beispiel: Zwei Frauen können beide einen BMI von 24 haben. Die eine ist größer und trägt ihr Gewicht gleichmäßiger verteilt, die andere ist kleiner und hat mehr Umfang an Hüfte oder Taille. Beide können deshalb unterschiedliche Größen tragen.

Dasselbe gilt bei Männern. Zwei Männer mit BMI 27 können eine unterschiedliche Hemd- oder Jackengröße brauchen, wenn einer breitere Schultern und Brustmuskulatur hat und der andere einen größeren Bauchumfang.

Die entscheidende Aussage lautet deshalb: Der BMI ist kein brauchbarer Kleidergrößen-Rechner.

Auch Marken und Länder machen die Zuordnung unsicher

Selbst wenn Ihre Körpermaße bekannt sind, bleibt Kleidung nicht immer einheitlich. Konfektionsgrößen können sich je nach Marke, Schnitt, Material und Land unterscheiden. Eine Größe 40 oder M fällt nicht bei jedem Hersteller gleich aus. Deshalb ist die Vorstellung einer festen Verbindung zwischen BMI und Kleidergröße noch ungenauer.

In Europa gibt es zwar Größensysteme, die sich an Körpermaßen orientieren, in der Praxis sollten Sie aber immer die jeweilige Größentabelle des Herstellers prüfen. Für die Passform sind also Herstellerangaben und Maßtabellen fast immer hilfreicher als eine BMI-Zahl.

Was ist für Kleidung sinnvoller als der BMI?

Wenn Sie wissen möchten, welche Größe Ihnen wahrscheinlich passt, sind diese Angaben meist sinnvoller:

  • Brustumfang bei Oberteilen, Blusen, Hemden, Jacken und Kleidern
  • Taillenumfang bei Hosen, Röcken und taillierten Kleidungsstücken
  • Hüftumfang bei Hosen, Röcken, Kleidern und Unterwäsche
  • Innenbeinlänge bei Hosen
  • Körpergröße für Längen, Kurz- oder Langgrößen

Wenn Sie den BMI kritisch mit anderen Ansätzen vergleichen möchten, helfen auch Was ist besser als der BMI? und Was ersetzt den BMI?.

Ist der BMI für Kleidung also völlig nutzlos?

Für die Wahl der Kleidergröße ist der BMI meist nur sehr eingeschränkt hilfreich. Er kann höchstens grob zeigen, in welchem Gewichtsbereich Sie liegen. Mehr aber nicht. Er ersetzt keine Maßtabelle, keine Anprobe und keine Körpermaße.

Ganz nutzlos ist er trotzdem nicht. Wenn Sie allgemein über Gewicht und Gesundheit nachdenken, kann der BMI eine erste Orientierung sein. Für Kleidung ist er aber deutlich weniger nützlich als für die grobe gesundheitliche Einordnung.

Wie messen Sie sich für Kleidung besser als mit dem BMI?

Wenn Sie online Kleidung bestellen oder Ihre passende Größe besser finden möchten, messen Sie möglichst direkt am Körper:

  1. Brust an der stärksten Stelle waagerecht messen
  2. Taille an der schmalsten Stelle oder dort, wo die Hose sitzt, messen
  3. Hüfte an der stärksten Stelle über Gesäß und Hüfte messen
  4. Bei Hosen zusätzlich Beinlänge oder Innenbeinlänge prüfen
  5. Maße mit der Größentabelle des Herstellers vergleichen

Das ist fast immer zuverlässiger als jede Schätzung über BMI, Gewicht oder frühere Etikettengrößen.

Was gilt bei Kindern und Jugendlichen?

Bei Kindern und Jugendlichen ist die Verknüpfung von BMI und Kleidergröße noch ungenauer. Der BMI muss hier alters- und geschlechtsspezifisch eingeordnet werden, und Kleidung wird zusätzlich oft nach Körpergröße, Alter oder speziellen Kindergrößen verkauft. Deshalb ist auch hier die direkte Orientierung an Körpermaßen und Größentabellen sinnvoller als eine BMI-Zahl.

Wann kann der BMI zusätzlich irreführend sein?

Der BMI ist besonders dann ungenau, wenn viel Muskelmasse vorhanden ist, im höheren Alter die Körperzusammensetzung verändert ist oder in der Schwangerschaft. In all diesen Situationen kann der BMI auch gesundheitlich nur begrenzt aussagekräftig sein. Für Kleidung macht ihn das noch unpassender, weil Passform immer von Proportionen abhängt.

Wenn Sie den Zusammenhang zwischen Größe, Körperbau und BMI besser verstehen möchten, lesen Sie auch Wie beeinflusst die Körpergröße den BMI?.

Fazit: Welcher BMI, welche Kleidergröße?

Die ehrliche Antwort lautet: Es gibt keine verlässliche feste Zuordnung zwischen BMI und Kleidergröße. Für Kleidung sind Brust, Taille, Hüfte, Körpergröße, Proportionen, Schnitt und Marke deutlich wichtiger als der BMI. Wenn Sie Ihre passende Größe finden möchten, helfen direkte Körpermaße und die Größentabelle des Herstellers fast immer mehr als jede BMI-Schätzung.

Der BMI kann Ihnen also bei der groben gesundheitlichen Einordnung helfen, aber nicht zuverlässig sagen, ob Sie Größe 38, 40, M, L oder etwas anderes tragen.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung.

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Quellen und medizinische Referenzen

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Medizinisch geprüft von Dr. med. Paul Kretz
Facharzt für Innere Medizin

Dr. med. Paul Kretz ist Facharzt für Innere Medizin mit langjähriger Erfahrung in der Betreuung von Patientinnen und Patienten mit Übergewicht, Adipositas, Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen und weiteren Stoffwechselstörungen. Als diabetologisch qualifizierter Hausarzt beschäftigt er sich seit vielen Jahren mit gesundheitlichen Themen rund um Gewicht, Stoffwechsel und internistische Risikofaktoren.
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