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Warum der BMI Quatsch ist

Ganz ehrlich: Der BMI ist nicht kompletter Quatsch, aber er ist oft zu grob, um Ihre Gesundheit wirklich treffend zu beurteilen. Genau das ist der Hauptgrund, warum er so oft kritisiert wird. Er setzt nur Gewicht und Körpergröße zueinander in Beziehung, sagt aber nicht, wie viel davon Fett, Muskelmasse oder Bauchfett ist. Deshalb ist der BMI eine Orientierungshilfe, aber keine Diagnose und kein vollständiges Gesundheitsurteil.

Wenn Sie Ihren Wert prüfen möchten, können Sie den BMI-Rechner für Erwachsene nutzen. Er ist für erwachsene Frauen und Männer ab 18 Jahren geeignet. Für junge Menschen von 1 bis 18 Jahren ist dagegen der BMI-Rechner für Kinder und Jugendliche sinnvoll, weil der BMI dort alters- und geschlechtsspezifisch eingeordnet werden muss und die Erwachsenen-Grenzwerte nicht einfach übernommen werden dürfen.

Warum sagen viele: „Der BMI ist Quatsch“?

Viele Menschen stören sich daran, dass der BMI oft so behandelt wird, als könne er allein entscheiden, ob jemand gesund oder ungesund ist. Genau das kann er nicht. Er ist zwar praktisch, weil er schnell berechnet ist, aber er vereinfacht den menschlichen Körper stark.

Der BMI kennt nur zwei Zahlen: Gewicht und Größe. Daraus berechnet er einen Wert. Er weiß aber nicht, ob das Gewicht eher aus Fett, Muskeln, Knochen oder Wasser besteht. Zwei Menschen können deshalb denselben BMI haben und trotzdem körperlich ganz unterschiedlich aussehen und gesundheitlich sehr unterschiedlich dastehen.

Was wird am BMI konkret kritisiert?

1. Er unterscheidet nicht zwischen Fett und Muskelmasse

Das ist einer der größten Kritikpunkte. Eine sportliche Person mit viel Muskelmasse kann laut BMI im Bereich Übergewicht liegen, obwohl der Körperfettanteil niedrig ist. Umgekehrt kann jemand mit wenig Muskelmasse einen normalen BMI haben, obwohl der Körperfettanteil relativ hoch ist.

Genau deshalb wirkt der BMI auf viele Menschen unfair oder ungenau. Er behandelt jedes Kilogramm gleich, obwohl Muskeln gesundheitlich etwas anderes bedeuten als Fett. Wenn Sie diesen Punkt vertiefen möchten, lesen Sie auch Wie beeinflusst die Muskelmasse den BMI?.

2. Er sagt nichts darüber aus, wo das Fett sitzt

Für die Gesundheit ist nicht nur wichtig, wie viel Fett vorhanden ist, sondern auch wo es gespeichert wird. Bauchfett ist oft medizinisch relevanter als Fett an anderen Stellen, weil es stärker mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und anderen Stoffwechselproblemen zusammenhängen kann.

Der BMI kann diese Fettverteilung nicht zeigen. Deshalb kann eine Person einen normalen BMI haben und trotzdem ein erhöhtes Risiko tragen, wenn viel Bauchfett vorhanden ist. Genau deshalb schauen Ärztinnen und Ärzte oft zusätzlich auf den Taillenumfang.

3. Er ist bei einzelnen Menschen oft ungenauer als bei großen Gruppen

Der BMI funktioniert recht gut als grober Vergleichswert für große Bevölkerungsgruppen. Bei einzelnen Menschen ist er aber oft zu ungenau. Für Statistiken ist das weniger problematisch. Für die persönliche Einschätzung kann es dagegen sehr wichtig sein.

Das bedeutet: Als schneller Startwert ist der BMI nützlich. Als alleinige Grundlage für ein Gesundheitsurteil ist er zu simpel.

4. Er bildet das Alter nur unvollständig ab

Mit zunehmendem Alter verändert sich die Körperzusammensetzung. Muskelmasse nimmt oft ab, während der Fettanteil steigt. Manche Menschen werden außerdem etwas kleiner. Dadurch kann ein BMI im Normalbereich die tatsächliche Situation nur unvollständig zeigen.

Ein älterer Mensch kann also rechnerisch normalgewichtig sein und trotzdem wenig Muskelmasse oder einen ungünstigen Ernährungszustand haben. Umgekehrt ist ein leicht höherer BMI im Alter nicht automatisch problematisch. Mehr dazu lesen Sie auch in Warum ist der BMI im Alter höher? und Was ist ein altersgerechter BMI?.

5. In manchen Lebenssituationen passt der BMI nur schlecht

In der Schwangerschaft ist der BMI für die laufende Gewichtsbewertung nur begrenzt hilfreich. Auch bei Menschen mit sehr ungewöhnlicher Körperzusammensetzung oder bei bestimmten Erkrankungen kann der Wert die Realität nur unvollständig abbilden. Der BMI ist also kein Maß, das immer und in jeder Situation gleich gut funktioniert.

6. Für Kinder und Jugendliche gelten andere Regeln

Auch das wird oft vergessen. Bei Kindern und Jugendlichen wird der BMI zwar ebenfalls aus Gewicht und Größe berechnet, aber nicht wie bei Erwachsenen bewertet. Wachstum, Pubertät und Entwicklung verändern Körperbau und Fettverteilung stark. Deshalb braucht es hier eine alters- und geschlechtsspezifische Einordnung.

Ein BMI-Wert, der bei einem Erwachsenen unauffällig wäre, kann bei einem Kind je nach Alter und Geschlecht anders bewertet werden. Für diese Altersgruppe ist deshalb der BMI-Rechner für Kinder und Jugendliche für 1 bis 18 Jahre sinnvoller als ein Erwachsenenrechner.

Heißt das, der BMI bringt gar nichts?

Nein. Genau hier wird die Kritik manchmal zu pauschal. Der BMI ist nicht komplett wertlos. Er ist nur nicht gut genug, um allein alles zu erklären. Für eine erste Einordnung kann er sehr nützlich sein, weil er einfach, schnell und standardisiert ist.

Wenn Sie wissen möchten, ob Ihr Gewicht grob im Bereich von Untergewicht, Normalgewicht, Übergewicht oder Adipositas liegt, kann der BMI durchaus helfen. Problematisch wird es erst, wenn man aus diesem einen Wert mehr machen will, als er leisten kann.

Wenn Sie die grundsätzliche Aussagekraft vertiefen möchten, lesen Sie auch Wie aussagekräftig ist der BMI? und Wann ist der BMI nicht aussagekräftig?.

Warum wirkt der BMI im Alltag oft zu simpel?

Viele Menschen erleben den BMI als zu simpel, weil er den Eindruck vermittelt, Gesundheit lasse sich auf eine einzige Zahl reduzieren. So funktioniert der Körper aber nicht. Schlaf, Bewegung, Blutdruck, Blutzucker, Blutfette, Muskelkraft, Bauchumfang, Alter und Vorerkrankungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.

Ein Mensch mit BMI 24 kann gesundheitlich belasteter sein als jemand mit BMI 27, wenn zum Beispiel viel Bauchfett, wenig Bewegung und auffällige Blutwerte dazukommen. Umgekehrt kann ein sportlicher Mensch mit BMI 26 völlig anders einzuschätzen sein als die Zahl vermuten lässt.

Was ist oft hilfreicher als der BMI allein?

Wenn Sie Ihr gesundheitliches Risiko realistischer einschätzen möchten, helfen meist mehrere Informationen zusammen. Besonders sinnvoll sind:

  • Taillenumfang: Er gibt Hinweise auf Bauchfett.
  • Gewichtsverlauf: Rasche Zu- oder Abnahme ist oft wichtiger als ein einzelner Messwert.
  • Blutdruck: Ein erhöhter Wert kann Herz und Gefäße belasten.
  • Blutzucker und Blutfette: Sie helfen bei der Stoffwechselbeurteilung.
  • Körperliche Fitness: Kraft, Ausdauer und Alltagsbelastbarkeit sagen oft mehr als die BMI-Zahl.

Wenn Sie nach Alternativen suchen, helfen auch Was ist besser als der BMI? und Was statt BMI?.

Wie sollten Sie den BMI sinnvoll nutzen?

Am besten nutzen Sie den BMI als groben Kompass. Er kann Ihnen eine erste Richtung geben, aber nicht die ganze Wahrheit. Liegt der Wert im Normalbereich, ist das meist ein gutes Zeichen, aber kein Beweis für perfekte Gesundheit. Liegt er darüber oder darunter, ist das ein Anlass, genauer hinzuschauen, aber kein Grund für voreilige Schlüsse.

Sinnvoll wird der BMI vor allem dann, wenn Sie ihn nicht isoliert betrachten. Erst zusammen mit Bauchumfang, Beschwerden, Gewichtsverlauf, Bewegung, Alter und möglichen Vorerkrankungen wird aus einer groben Zahl eine bessere Einordnung.

Ist „Warum der BMI Quatsch ist“ also richtig oder übertrieben?

Als Überschrift ist das verständlich, medizinisch aber etwas zu pauschal. Ganz korrekt wäre eher: Der BMI ist nicht Quatsch, aber oft zu ungenau, wenn man ihn alleine betrachtet. Seine Stärke ist die einfache erste Einordnung. Seine Schwäche ist, dass er zu wenig über den Körper im Detail verrät.

Wenn der BMI kritisch gesehen wird, dann also nicht, weil er völlig nutzlos wäre, sondern weil er zu oft überbewertet wird.

Wann sollten Sie ärztlichen Rat einholen?

Eine ärztliche Einordnung ist sinnvoll, wenn Ihr BMI deutlich unter oder über dem Normalbereich liegt, wenn Sie ungewollt Gewicht verlieren oder zunehmen oder wenn Beschwerden wie Atemnot, starke Müdigkeit, Schlafprobleme, Bluthochdruck, auffällige Blutzuckerwerte oder Gelenkbeschwerden dazukommen. Dann reicht die BMI-Zahl allein nicht aus.

Auch wenn Ihr BMI normal wirkt, Sie aber einen deutlich erhöhten Bauchumfang oder andere Risikofaktoren haben, kann eine medizinische Abklärung sinnvoll sein. Genau darin zeigt sich, warum der BMI allein oft zu wenig aussagt.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung.

Weiterführende Artikel

Diese Beiträge helfen Ihnen, den BMI und seine Grenzen noch besser einzuordnen:

Quellen und medizinische Referenzen

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Medizinisch geprüft von Dr. med. Paul Kretz
Facharzt für Innere Medizin

Dr. med. Paul Kretz ist Facharzt für Innere Medizin mit langjähriger Erfahrung in der Betreuung von Patientinnen und Patienten mit Übergewicht, Adipositas, Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen und weiteren Stoffwechselstörungen. Als diabetologisch qualifizierter Hausarzt beschäftigt er sich seit vielen Jahren mit gesundheitlichen Themen rund um Gewicht, Stoffwechsel und internistische Risikofaktoren.
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