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BMI ab wann Magersucht?

Von Magersucht spricht man nicht automatisch ab einem bestimmten BMI. Ein niedriger BMI kann ein wichtiges Warnsignal sein, aber die Diagnose wird nicht nur über eine Zahl gestellt. Für Erwachsene gilt: Unter 18,5 liegt Untergewicht vor. Bei diagnostizierter Anorexia nervosa wird die Schwere im Erwachsenenalter häufig zusätzlich über den BMI beschrieben, wobei unter 17 bereits in einen deutlicheren Risikobereich fällt.

Wenn Sie Ihren Wert berechnen möchten, können Sie den BMI-Rechner für Erwachsene nutzen. Er ist für erwachsene Frauen und Männer ab 18 Jahren geeignet. Für Kinder und Jugendliche von 1 bis 18 Jahren ist dagegen der BMI-Rechner für Kinder und Jugendliche sinnvoll, weil der BMI dort nicht mit festen Erwachsenen-Grenzwerten bewertet wird, sondern immer alters- und geschlechtsspezifisch eingeordnet werden muss.

Gibt es einen BMI, ab dem Magersucht beginnt?

Die kurze Antwort lautet: Nein, Magersucht beginnt nicht ab einer einzigen festen BMI-Zahl. Ein BMI kann ein Hinweis sein, aber Anorexia nervosa ist eine psychische Erkrankung mit körperlichen Folgen. Für die Diagnose zählen nicht nur niedriges Gewicht, sondern auch typische psychische Merkmale, zum Beispiel eine ausgeprägte Angst vor Gewichtszunahme, stark kontrolliertes Essverhalten, Verhaltensweisen gegen eine Gewichtszunahme und eine verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers.

Deshalb ist es medizinisch nicht korrekt zu sagen: „Ab BMI X hat man sicher Magersucht.“ Richtig ist eher: Ein sehr niedriger BMI kann den Verdacht verstärken, ersetzt aber keine fachliche Diagnose durch Ärztin, Arzt oder Psychotherapeutin beziehungsweise Psychotherapeuten.

Was gilt beim BMI zunächst als Untergewicht?

Für Erwachsene wird der BMI meist so eingeteilt:

BMI-Wert bei Erwachsenen Einordnung
unter 18,5 Untergewicht
18,5 bis 24,9 Normalgewicht
25,0 bis 29,9 Übergewicht
ab 30,0 Adipositas

Damit ist klar: Ein BMI unter 18,5 ist bei Erwachsenen medizinisch zu niedrig. Das bedeutet aber noch nicht automatisch, dass eine Magersucht vorliegt. Ein niedriger BMI kann auch andere Ursachen haben, zum Beispiel eine andere Erkrankung, ungewollten Gewichtsverlust, starken Stress, Verdauungsprobleme oder eine von Natur aus sehr schlanke Körperstatur.

Wenn Sie die Grenze zum Untergewicht genauer einordnen möchten, helfen auch BMI ab wann Untergewicht? und Ab wann ist der BMI zu niedrig?.

Welche BMI-Bereiche werden bei diagnostizierter Anorexia nervosa oft zur Schweregradeinteilung verwendet?

Bei bereits diagnostizierter Anorexia nervosa wird im Erwachsenenalter häufig zusätzlich nach Schweregrad unterschieden. Dabei werden oft diese BMI-Bereiche verwendet:

BMI-Wert Schweregrad bei Erwachsenen mit diagnostizierter Anorexia nervosa
17,0 oder höher mild
16,0 bis 16,99 moderat
15,0 bis 15,99 schwer
unter 15,0 extrem

Dieser Punkt ist sehr wichtig: Diese Tabelle beschreibt nicht den Startpunkt der Diagnose, sondern den Schweregrad, wenn die Diagnose bereits gestellt wurde. Ein BMI von 17 bedeutet also nicht automatisch „ab hier beginnt Magersucht“. Er kann aber im passenden klinischen Zusammenhang zu einer diagnostizierten Anorexia nervosa passen.

Woran wird Magersucht außer am Gewicht erkannt?

Ein niedriger BMI allein reicht nicht aus. Fachlich wird auf mehrere Merkmale geschaut. Dazu gehören zum Beispiel:

  • deutlich eingeschränkte Nahrungsaufnahme oder starke Angst vor bestimmten Lebensmitteln,
  • intensive Angst vor Gewichtszunahme oder starkes Vermeidungsverhalten,
  • verzerrte Wahrnehmung von Figur und Gewicht,
  • übermäßige Selbstbewertung über das Körpergewicht,
  • fehlende Einsicht in die Schwere des niedrigen Gewichts,
  • häufig auch starker Bewegungsdrang, exzessiver Sport oder andere kompensatorische Verhaltensweisen.

Darum kann ein BMI zwar ein Warnsignal sein, aber nicht die Diagnose ersetzen. Wer sich fragt, ob eine Essstörung vorliegen könnte, sollte nicht nur auf die Zahl schauen, sondern auch auf das eigene Essverhalten, die Gedanken über den Körper und mögliche körperliche Folgen.

Wie wird der BMI berechnet?

Der BMI berechnet sich aus Körpergewicht und Körpergröße:

BMI = Gewicht in Kilogramm / Körpergröße in Metern zum Quadrat

Ein Beispiel: Sie wiegen 46 Kilogramm und sind 1,68 Meter groß. Dann rechnen Sie 46 / (1,68 × 1,68). Das ergibt rund 16,3. Dieser Wert liegt deutlich unter dem normalen Erwachsenenbereich und sollte medizinisch eingeordnet werden.

Wenn Sie die Rechnung nicht selbst durchführen möchten, können Sie dafür den BMI-Rechner für Erwachsene verwenden. Mehr zur Berechnung finden Sie auch in Wie berechnet man den BMI? und Wie wird der BMI berechnet?.

Warum ist ein sehr niedriger BMI medizinisch problematisch?

Je niedriger der BMI wird, desto eher kann der Körper körperlich und psychisch belastet werden. Ein ausgeprägtes Untergewicht kann mit Mangelernährung, Muskelschwäche, Kreislaufproblemen, hormonellen Veränderungen, Konzentrationsproblemen, Frieren, Knochenabbau und einem erhöhten Risiko für Komplikationen verbunden sein.

Gerade bei Essstörungen ist nicht nur das Gewicht selbst wichtig, sondern auch wie schnell es gesunken ist und wie stabil die körperliche Situation noch ist. Auch jemand mit einem BMI knapp unter 18,5 kann ernsthaft krank sein, wenn in kurzer Zeit viel Gewicht verloren wurde oder die Nahrungsaufnahme stark eingeschränkt ist.

Wann sollte man bei Verdacht auf Magersucht besonders aufmerksam sein?

Besonders ernst nehmen sollten Sie die Situation, wenn zusätzlich zu einem niedrigen BMI oder starkem Gewichtsverlust solche Warnzeichen auftreten:

  • Sie verlieren ungewollt oder sehr schnell Gewicht.
  • Sie essen nur noch sehr eingeschränkt oder vermeiden immer mehr Lebensmittel.
  • Sie haben große Angst vor Gewichtszunahme.
  • Sie fühlen sich häufig schwach, schwindelig oder erschöpft.
  • Sie frieren ständig, haben Kreislaufprobleme oder eine deutlich geringere Belastbarkeit.
  • Ihr Alltag dreht sich stark um Kalorien, Gewicht, Figur oder Essen.

Je stärker diese Zeichen ausgeprägt sind, desto wichtiger ist eine professionelle Abklärung. Magersucht ist eine ernsthafte Erkrankung, die möglichst früh behandelt werden sollte.

Gilt das auch für Kinder und Jugendliche?

Nein. Bei Kindern und Jugendlichen darf man keine Erwachsenen-BMI-Grenzen wie 18,5 oder 17 einfach übernehmen. In dieser Altersgruppe wird der BMI zwar ebenfalls aus Gewicht und Größe berechnet, aber immer alters- und geschlechtsspezifisch bewertet. Der Grund ist das Wachstum: Körperbau, Entwicklung und Pubertät verändern den Körper stark.

Ein BMI-Wert, der bei einer erwachsenen Person stark untergewichtig wäre, kann bei einem Kind je nach Alter und Geschlecht anders beurteilt werden. Für Kinder und Jugendliche von 1 bis 18 Jahren sollten Sie deshalb den BMI-Rechner für Kinder und Jugendliche verwenden. Wenn es um den Verdacht auf eine Essstörung bei Minderjährigen geht, ist eine kinder- und jugendmedizinische oder kinder- und jugendpsychiatrische Einschätzung besonders wichtig.

Wann sollten Sie ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe suchen?

Sie sollten sich Hilfe holen, wenn Ihr BMI deutlich zu niedrig ist oder wenn der Verdacht auf Magersucht besteht, vor allem bei:

  • BMI unter 18,5 mit Gewichtsverlust oder auffälligem Essverhalten,
  • BMI unter 17,
  • raschem Gewichtsverlust innerhalb weniger Wochen oder Monate,
  • Schwäche, Schwindel, Ohnmachtsneigung oder deutlicher Unterversorgung,
  • starker Angst vor Gewichtszunahme oder starkem Kontrollverhalten rund ums Essen.

Dringend ärztlich abklären sollten Sie die Situation bei Kollaps, Ohnmacht, starker Schwäche, Brustschmerzen, Verwirrtheit, Austrocknung oder wenn kaum noch Essen und Trinken möglich sind. Je früher eine Essstörung erkannt wird, desto besser sind in der Regel die Behandlungschancen.

Fazit

Auf die Frage „BMI ab wann Magersucht?“ gibt es medizinisch nur eine vorsichtige Antwort: Magersucht wird nicht allein über den BMI diagnostiziert. Ein BMI unter 18,5 bedeutet bei Erwachsenen Untergewicht und kann ein Warnsignal sein. Bei diagnostizierter Anorexia nervosa werden im Erwachsenenalter oft BMI-Bereiche zur Einordnung des Schweregrads genutzt, etwa unter 17 als deutlicherer Risikobereich und unter 15 als extrem schwerer Bereich. Entscheidend für die Diagnose sind aber immer auch psychische Merkmale und die gesamte klinische Situation.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung oder psychotherapeutische Diagnostik.

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Quellen und medizinische Referenzen

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Medizinisch geprüft von Dr. med. Paul Kretz
Facharzt für Innere Medizin

Dr. med. Paul Kretz ist Facharzt für Innere Medizin mit langjähriger Erfahrung in der Betreuung von Patientinnen und Patienten mit Übergewicht, Adipositas, Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen und weiteren Stoffwechselstörungen. Als diabetologisch qualifizierter Hausarzt beschäftigt er sich seit vielen Jahren mit gesundheitlichen Themen rund um Gewicht, Stoffwechsel und internistische Risikofaktoren.
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